Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Bô Yin Râ - Forum
Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 6 Antworten
und wurde 381 mal aufgerufen
 Das Gebet
Andreas Offline



Beiträge: 130

09.09.2010 15:35
Beten lernen antworten

So dürfte es denn wieder nötig geworden
sein, zu lehren was das wirkliche
«Beten» in Wahrheit ist , — zu
lehren, wie aus Worten menschlicher
Sprache ein «Gebet » erstehen kann,
und was sich an tiefem Geheimnis im
Gebete verbirgt!


(Das Gebet, Seite 10/11)

Nach meinem aus diesem ungleich wertvollen Buch gewonnenen Verständnis beginnt Beten mit einem Stillwerden, mit der nach innen gewandten, sanften Aufmerksamkeit und tiefer werdender Meditation. Das Überwinden des unablässigen Gedanken- und Bilderstromes, das Emporquellen des Bewusstseins in eine so geschaffene innere Leere und Gelassenheit lässt nach einer unbestimmbaren Zeit der geistigen Versenkung schemenhaft erahnen, was die Worte zu bedeuten scheinen:

…daß nur in unserem
Allerinnersten das Herz des reinen,
ewigen Seins sich selber «wiederzuge -
bären» vermag in unendlichfältiger,
individueller Selbstzeugung…

Jedoch möchte mir das rechte Verstehen des weiteren Gebetes/Betens nicht gelingen: Die der Welt von BYR gegebenen Gebete sind mir sehr wertvoll und hilfreich – aber letztlich kann ich sie nicht in der oben beschriebenen Weise beten, da ich hierfür die Gedankenstille unterbrechen und manches ganz profan lesen muss. Nun schaffe ich es, das eine oder andere Gebet auch auswendig zu lernen, um es dann nach innen zu sprechen; doch ertappe ich mich stets dabei, dass meine so wieder kreisenden Gedanken versuchen, die Worte des Gebetes zu finden und zu formen und mich buchstäblich aus „der Versenkung katapultieren“.

Daraus schließe ich, dass die uns von BYR überlassenen Gebete, genauso wie alle anderen vorgegebenen Gebete, beispielsweise das „Vater Unser“, für mich nicht mit der oben beschriebenen Art und Weise des Betens kompatibel sind. Es scheint eher angebracht, das Gebet in eigene Worte zu kleiden, wenn es im Zustand der geistigen Versenkung nach innen gesprochen wird – oder, besser: es wortlos zu belassen und nur fühlend zu empfinden...ist dies aber nicht ein Widerspruch zu o.g. Zitat, das davon spricht wie "...aus Worten menschlicher Sprache ein Gebet erstehen kann..."?

Kurzum: Wie betet ihr? Gibt es einen Ausweg aus dem Dilemma?


Es grüßt herzlich: Andreas

kohle Offline



Beiträge: 218

10.09.2010 15:39
#2 RE: Beten lernen antworten

Hallo Andreas,

mein LeichNam(e) heißt übrigens Gerhard. Ich selbst bete nicht nach traditionellem Verständnis. Das Buch von BoYinRa dazu habe ich noch nicht gelesen. Werde es aber nach meinem Denken über deinen Beitrag nachholen. Deshalb mochte ich zunächst auch noch nicht antworten. Doch nachdem ich deinen Text eine zeitlang in mir herumtrug, möchte ich aber doch etwas dazu schreiben:

Zitat
…daß nur in unserem
Allerinnersten das Herz des reinen,
ewigen Seins sich selber «wiederzuge -
bären» vermag in unendlichfältiger,
individueller Selbstzeugung…



Gebet ist für mich ein innerer Dialog, der fortwährt. Im Sinne obigen Zitats bewegt sich dieser Dialog zwischen dem Allerinnersten in mir und dem genannten Herzen des Seins – soweit ich das einzuschätzen vermag. Früher waren die Pforten für eine solche Kommunikation in mir geschlossen. Vor zwanzig Jahren übte ich jahrelang intensiv Yoga und Meditation. Es gelang mir aber nicht, dabei in mein Herz zum „Allerinnersten“ hin einzudringen. Es blieb dabei spürbar verriegelt.

Erst viele Jahre später erlebte ich, dass dieser Zugang zum Herzen nicht von außen mit Methoden sondern nur aus dem „Allerinnersten“ selbst erfolgen kann. Das war eine Revolution, aus welcher der innere Dialog wuchs. Dieser Dialog ist kein Wortwechsel. Es ist eine Bewegung von Empfindungen, welche die Resonanz von Worten kreieren. Haupt und Herz arbeiten zusammen.

Möglicherweise verursachen in Gebeten und Mantren gewählten Worte ebenfalls eine Resonanz, welche dazugehörige Empfindungen kreieren. Das wäre dann ein Gebets-Impuls, der

Zitat
„in unserem
Allerinnersten das Herz des reinen,
ewigen Seins ... «wiederzuge -
bären» vermag ...“

,

so dass

Zitat
"...aus Worten menschlicher Sprache ein Gebet erstehen kann..."

.


Voraussetzung dafür ist nicht in erster Linie gedankliche Stille sondern Friede um das Herz. Vergangene Legionen von Gedanken und Emotionen verfestigen und vernarben mein Herz, umkreisen und versperren es. Von außen geht da keine Bewegung durch, kein Gebetsruf – nur verzerrt. So empfinde es auch aus deiner Beschreibung heraus. Das Allerinnerste drängt jedoch ständig nach außen, lässt mich nicht ruhen. Seinem Drängen nachzukommen gelingt mir zunächst nur, wenn ich dem meine Lebensart anpasse. Weiß ich nicht wie, dann würde ich mich zunächst an die gültigen Normen von Ethik und Moral halten - und dabei nach innen lauschen, schauen was in mir dabei geschieht und was sich auch äußerlich verändert.

Auf dem Ausweg aus deinem Dilemma bist du bereits, weil es dich (von innen?) berührt. Soweit meine persönliche Einstellung zur Hinarbeit auf das „Gebet“. Es gibt sicherlich noch andere Wege, die ich aber nicht kenne.

Alles gute dir

kohlchen

Andreas Offline



Beiträge: 130

13.09.2010 11:15
#3 RE: Beten lernen antworten

Lieber Kohle,

habe sehr herzlichen Dank für Deine Antwort und die Beschreibung Deiner Empfindungen.

Verstehe ich Dich richtig, dass das rechte Beten ein wortloses Zwiegespräch mit dem eigenen 'Allerinnersten' ist - dessen Re-Aktion erst zum wahren Gebet führt? Wenn der Betende darauf angewiesen ist, dass das Herz von innen geöffnet wird, um in das 'Allerinnerste' zu gelangen, dann ist das eine bemerkenswerte Analogie zum 'Hortus Conclusus', vor dem der Suchende auch auf die Hilfe - das Öffnen des Tores von Innen - angewiesen ist.
Denn ohne diese 'Hohe Hilfe' ist es dem Menschen nicht möglich, in den geschlossenen Garten zu gelangen, den Höhenweg zu beschreiten, von dem BYR oftmals spricht.

Ich weiß nicht, ob dieses, Dein Bild richtig ist, Kohle - aber es hat mir bereits sehr geholfen auf meinem Ausweg: In dem Moment, in dem das 'Allerinnerste' von innen heraus zu Hilfe kommt und das Tor entriegelt, wird der Erkennende zum Erkannten, der Denkende zum Gedachten - und der Betende zum Gebet?

Es grüßt Dich herzlich: Andreas

kohle Offline



Beiträge: 218

13.09.2010 19:28
#4 RE: Beten lernen antworten

hallo Andreas,

Zitat
Verstehe ich Dich richtig, dass das rechte Beten ein wortloses Zwiegespräch mit dem eigenen 'Allerinnersten' ist



So verstehe ich es, wobei ich kein Beter bin. Als Kind sollte ich immer zu einem Gott ausserhalb von mir beten. Solch eine Polarisation/Trennung ist es für mich nicht, eher das Eintreten in einen Gleichklang.

Zitat
- dessen Re-Aktion erst zum wahren Gebet führt?



Ich muss erst das Buch vom Beten lesen, bevor ich entdecke, was mit wahrem Gebet gemeint ist.

Zitat
Wenn der Betende darauf angewiesen ist, dass das Herz von innen geöffnet wird, um in das 'Allerinnerste' zu gelangen, dann ist das eine bemerkenswerte Analogie zum 'Hortus Conclusus', vor dem der Suchende auch auf die Hilfe - das Öffnen des Tores von Innen - angewiesen ist

.

So verstehe ich auch das "klopfet an, so wird Euch aufgetan". Aber dieses "Anklopfen" fordert mich als ganzen Menschen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Stimulation eines Gebetes dazu ausreicht. Aber ich weiß es nicht.

Zitat
Denn ohne diese 'Hohe Hilfe' ist es dem Menschen nicht möglich, in den geschlossenen Garten zu gelangen, den Höhenweg zu beschreiten, von dem BYR oftmals spricht.



Das ist auch gut so. Denn dieser Höhenweg verlagert das Bewusstsein vom "alten" Menschen zum "neuen" Menschen. Dominiert dabei das "Alte" in mir zu stark, so kann das erhebliche, Schäden für Psyche bzw. Gesundheit haben. Das bedeutet aber auch, dass die helfenden Kräfte aus dem geschlossenen Garten uns bereits vor dem Eintritt zur Seite stehen und liebevoll führen. Oft wird das erst später klar. Eine stille Obhut ist immer gegeben.

Zitat
Ich weiß nicht, ob dieses, Dein Bild richtig ist, Kohle



Ich weiß es auch nicht. Es ist, das glaube ich, auch nicht so wichtig. Wenn es dir eine Stufe für einen kleinen SChritt weiter war, dann ist es schön. Dann betritt die Stufe - verlass und vergess sie wieder für den nächsten Schritt.

Zitat
- aber es hat mir bereits sehr geholfen auf meinem Ausweg: In dem Moment, in dem das 'Allerinnerste' von innen heraus zu Hilfe kommt und das Tor entriegelt, wird der Erkennende zum Erkannten, der Denkende zum Gedachten - und der Betende zum Gebet?



Ja, der Betende wird zum Gebet. Ich werd mal das Buch lesen.

alles gute

kohe


Es grüßt Dich herzlich: Andreas

kohle Offline



Beiträge: 218

13.09.2010 21:21
#5 RE: Beten lernen antworten

hallo Andreas,

ich habe gerade das 1. Kapitel (Mysterium des Betens) im Buch des Betens gelesen. hier S. 14:

Zitat
Wohl dem, der so zu «beten» weiß!
Er wird «erhört» sein, während er
noch «anklopft»!
Er wird alsbald «empfangen», wäh-
rend er noch «bittet»!
Er wird mit aller Gewißheit «fin-
den», was er auf solche Weise «sucht»,
daß es zu finden ist!



Den Schlüssel zu diesem Mysterium, der Tür in uns, liefert BoYinRa schon mit seinen Worten. Hinter dieser Tür wartet einfach Glorie. Bereits der Honig, der mir beim Lesen zufließt, vermittelt etwas vom Gold des verborgenen Schatzes.

Ich empfehle, einfach ein wenig still zu werden (nüchtern und ohne Methode)und den Text bewusst zu schmecken. Die innere Sehnsucht bleibt völlig wach/klar. Ich wünsche dir und jedem anderen, etwas von dem Honiggold zu kosten. Es ist eine große Freude, derart in obigen zitierten Text eintauchen zu dürfen.

kohlchen

Serato Offline



Beiträge: 542

17.10.2010 01:25
#6 RE: Beten lernen antworten

Lieber Andreas!
Wage es, auf Deine Art zu beten und laß alles andere außen vor und begnüge Dich mit dem gewonnen Ergebnis ohne vergleichen zu wollen. Das nenne ich "Mut zu sich selbst!".
Liebe Grüße von Serato.

Andreas Offline



Beiträge: 130

26.01.2011 12:32
#7 RE: Beten lernen antworten

Zitat
Wage es, auf Deine Art zu beten und laß alles andere außen vor und begnüge Dich mit dem gewonnen Ergebnis ohne vergleichen zu wollen. Das nenne ich "Mut zu sich selbst!".


Lieber Serato,

ich habe lange gebraucht um zu begreifen, was Du mit "Mut zu sich selbst" wohl meinst.

Das Mantra:

Zacken Berge über mir,
Drachen-Tiefe unter mir,
Ich, auf meinem Weg
bin selbst der Steg

...hat mir letztlich dazu verholfen.

Habt lieben Dank für die Hilfe - Andreas

 Sprung  
Xobor Ein Xobor Forum
Einfach ein eigenes Forum erstellen